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Herz und Kreislauf

Erkrankungen des Herzens und Kreislaufes stehen in den Erkrankungsstatistiken der Industriezivilisationen an erster Stelle. Insofern kommt im Interesse der Gesunderhaltung der Bevölkerung gerade einer Früherkennung von Erkrankungen des Herzens und Kreislaufes eine hohe Bedeutung zu.

Die klinische Untersuchung umfasst neben der vergleichenden Blutdruckmessung an beiden Armen die Untersuchung der Herztöne und Atemgeräusche. Bei Hinweisen auf labile Kreislaufregulationsstörungen können verschiedene Provokationstests (Schellong-Test, Kipptisch-Test) durchgeführt werden. Diese Tests weisen übermässige Blutdruckerniedrigungen speziell bei längerer Stehposition nach.

Zur apparativen Funktionsdiagnostik des Herz-Kreislauf-Systems stehen in der Meduna-Klinik die folgenden Verfahren zur Verfügung:

  • EKG: Aufzeichnung der Herzstromkurven bei körperlicher Ruhe mittels 12-kanaliger Darstellung und bedarfsweiser Registrierung zusätzlicher Spezialableitungen zur genaueren Beurteilung der Herzhinterwand (Ableitungen nach Nehb und V7, V8, V9). In Einzelfällen kann bei Verdacht auf bestimmte Erkrankungen, welche mit krankhaften Pulsverlangsamungen einhergehen, die EKG-Aufzeichnung mit bestimmten Provokationstests kombiniert werden (z.B. Carotis-Druckversuch, Atropin-Test). Diese Tests dienen dem Nachweis abnormer Verlangsamungen der Herzschlagfolge, z.B. bei ungeklärten Schwindel- und Kollapszuständen.
  • Belastungs-EKG: Belastungen auf dem Fahrrad- oder Laufbandergometer unter kontinuierlicher Überwachung und Aufzeichnung des 12-kanaligen Gesamt-EKG. Bei Bedarf zusätzliche Registrierungen von Spezialableitungen. Das Belastungs-EKG stellt eine Basisuntersuchung dar, um Belastbarkeit und Leistungsfähigkeit eines Patienten abzuschätzen, belastungsbedingte Herzrhythmusstörungen und Herzdurchblutungsstörungen zu erkennen. Da die jeweilige Belastbarkeit zusätzlich vom Funktionszustand der Atmungsorgane abhängig ist, erhalten unsere Patienten während des Belastungstestes routinemässig eine Überwachung mittels Pulsoximetrie. Dieses Verfahren misst auf unblutige Weise die jeweilige prozentuale Blutsauerstoffsättigung mittels Fingerclip.
  • Hochverstärktes Oberflächen-EKG (Spätpotential-Analyse): Bei diesem Untersuchungsverfahren werden EKG-Signale im Vergleich zum herkömmlichen EKG um etwa das Tausendfache elektronisch verstärkt und gespeichert. Mittels Einsatz verschiedener computergestützter Analysen werden anschliessend die jeweiligen EKG-Signale auf abnorme elektrische Phänomene hin untersucht (Signalmittelungsverfahren nach Simson, spektrotemporales Mapping). Spätpotentiale sind abnorme elektrische Aktivitäten, welche am Ende der Hauptzacke des EKG auftreten. Bei Herzgesunden sind Spätpotentiale üblicherweise nicht nachzuweisen. Bei organischen Herzerkrankungen, insbesondere Herzdurchblutungsstörungen bei koronarer Herzerkrankung, Herzinfarkten und Herzmuskelerkrankungen (Kardiomyopathien), können Spätpotentiale auf ein erhöhtes Risiko für gravierende Herzrhythmuskomplikationen hinweisen.
  • Langzeit-EKG: Kontinuierliche digitale dreikanalige Aufzeichnung des EKG über 24 Stunden. Durchführung von konventionellen Herzrhythmusanalysen und verschiedenen Spezialanalysen (HRV-, ST-, QT-Analysen, Schrittmacherfunktionsanalysen). Bei der Herzrhythmus-Analyse wird das Langzeit-EKG auf das Vorliegen von Herzrhythmusstörungen überprüft, welche klassifiziert und hinsichtlich ihres Schweregrades analysiert werden können. HRV-Analysen untersuchen die Herzfrequenzvariabilität des Herzens. Hierunter versteht man die Schwankungsbreite von Änderungen der Herzschlagfolge. Ein gesundes Herz zeigt im Regelfall eine hohe Varianz dieser Herzschlagfolge, d.h. eine hohe Herzfrequenzvariabilität. Bei organischen Herzerkrankungen kann die Varianz der Herzschlagfolge bzw. die Herzfrequenzvariabilität  eingeschränkt sein; in diesem Fall schlägt das Herz zunehmend starrer bzw. uhrwerksmässiger. Ähnlich wie Spätpotentiale können auch Einschränkungen der Herzfrequenzvariabilität auf ein erhöhtes Risiko für Rhythmuskomplikationen hinweisen. Bei der ST-Analyse wird das Langzeit-EKG auf vorübergehend auftretende Herzdurchblutungsstörungen durchsucht, welche zu typischen Veränderungen der EKG-Stromkurve (sog. ST-Senkungen) führen. Bei der QT-Analyse werden bestimmte Mess-Strecken der EKG-Stromkurve, die QT-Strecken, in ihrer Dauer vermessen, und es werden statistische Analysen der Veränderung bzw. Varianz dieser QT-Strecken vorgenommen. Abnorme Verlängerungen oder Verkürzungen der Dauer dieser QT-Strecken können auf ein erhöhtes Herzrisiko hinweisen. Bei Herzschrittmacherträgern erlaubt das Langzeit-EKG über ein spezielles Computerprogramm zur Schrittmacherfunktionsanalyse die Erkennung eventueller Fehlfunktionen, insbesondere, wenn diese nur vorübergehend auftreten.
  • Telemetrie und Schwimmtelemetrie: Bei der Telemetrie erhält der Patient einen kleinen Funksender, welcher die EKG-Signale drahtlos über grössere Distanzen auf einen EKG-Monitor überträgt. Auf diese Weise kann während unterschiedlicher Belastungen der jeweilige EKG-Verlauf vom untersuchenden Arzt “live” ausgewertet werden. Schwimmen führt bei Herzpatienten aus physiologischen Gründen zu besonderen Belastungsmomenten. Aus diesem Grunde setzen wir die Telemetrie als Schwimmtelemetrie routinemässig ein, um zu klären, ob ein Patient bei vertretbarem Risiko für Schwimmaktivitäten hinreichend belastbar ist.
  • Wrist-Rekorder: Der Wrist-Rekorder ist eine digitale Armbanduhr, welche als Besonderheit eine bedarfsweise Speicherung des EKG ermöglicht. Da dieses Gerät prinzipiell beliebig lange vom Patienten getragen werden kann, können auch selten auftretende Herzrhythmusstörungen dokumentiert werden. Die gespeicherten EKG-Verläufe können jeweils mit einem EKG-Schreiber im Nachhinein ausgedruckt werden.
  • Ultraschalldiagnostik des Herzens (Echokardiographie): In der ein- und zweidimensionalen Echokardiographie (B- und M-Mode) werden die Herzhöhlen und Herzklappen im bewegten Bild dargestellt, Bewegungsanalysen und Vermessungen vorgenommen. Bei der Farbdoppler-Echokardiographie werden zusätzlich die Blutflüsse im Herzen und über den Herzklappen farbig dargestellt. Mittels steuerbarer PW- und CW-Doppler können weiterhin die jeweiligen Blutflüsse aufgezeichnet und die jeweils erhältlichen Strömungskurven vermessen werden. Die echokardiographischen Verfahren dienen somit einer Funktionsbeurteilung der Herzpumpleistung , einer Erkennung von krankhaften Erweiterungen (Dilatationen) oder abnormen Wandverdickungen (Hypertrophien) der Herzwände, einer Erfassung von Wandbewegungsstörungen oder Narbenbildungen bei Herzdurchblutungsstörungen und Infarkten sowie einer Beurteilung der Herzklappen hinsichtlich möglicher Herzklappenfehler. Auch Defekte der Herzscheidewand und Herzbeutelergüsse können mit einer solchen Ultraschalluntersuchung des Herzens nachgewiesen werden. 
  • Langzeit-Blutdruckmessung: Blutdruckaufzeichnungen über 24 Stunden oder länger. Üblicherweise Durchführung von vier Messungen pro Stunde am Tag und zwei Messungen pro Stunde in der Nacht. Darstellung der jeweiligen Blutdruckprofile mittels Verlaufsdiagrammen und umfangreichen Statistiken. Besonders wesentlich ist die Ermittelung der 24-Stunden-Durchschnittswerte zur Beurteilung der Güte einer medikamentösen blutdrucksenkenden Behandlung und zur Klärung einer Behandlungsbedürftigkeit bei grenzwertigen Blutdruckerhöhungen.

 

Copyright: Prof. Dr. Piper, Meduna-Klinik, 56864 Bad Bertrich,
Tel.: 02674 / 182 0, Fax: 02674 / 182 3182

      

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